Der kategorische Imperativ

Kant meinte sinngemäß:
Verhalte dich so, dass dein Verhalten als Modell für alle Mitmenschen dienen kann. – oder kurz: Verhalte dich vorbildlich.
(„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“)

Die Idee, dass man sich nur so verhalten dürfe, dass es ok wäre, wenn sich alle 7 Milliarden Menschen so verhalten würden, wäre die winzige Schnittmenge aller möglichen Verhaltensweisen. Man wäre quasi handlungsunfähig, hätte keinen Spielraum für kreativen, individuellen Ausdruck und könnte seine Fähigkeiten nicht entfalten.
Diese Idee ist daher völliger Unsinn.

In einigen Köpfen findet sich auch die Umkehrung des Satzes:
Das Verhalten meines Nachbarn soll ein Modell für mein eigenes Verhalten sein?
– was dann prompt zu Konflikten führt:
Ich soll mich so wie mein Nachbar verhalten?
Das will ich gar nicht! Das ist ja unverschämt…

…und unnötig.
Weil die Annahme, die zu dieser Reaktion führt, keinerlei Grundlage hat:
Jeder kann auf seine Weise leben, wenn er andere dadurch nicht beeinträchtigt. Eine Beeinträchtigung ist nicht dadurch gegeben, dass man jemanden beobachten könnte und sich dann denken könnte man müsse sich genau so verhalten.

Damit ist der kategorische Imperativ in beide Richtungen (als Handelnder und Beobachtender) in der Lebenspraxis nicht anwendbar.

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