Skeptiker und Esoteriker II

Die Schwierigkeit, die Relativität und Subjektivität von Wissen zu behaupten ist, dass auch diese Behauptung nicht absolut sein kann, weil sie (die Behauptung) ansonsten sich selbst falsifiziert. Also sage ich: ich glaube, dass Wissen immer relativ und subjektiv sein muss.

Dafür kann es auch keine Beweise geben wegen des unendlichen Regresses[1] und der Konstruktion von wissenschaftlichen Theorien mit Basisannahmen (Paradigmen, Lehrmeinungen etc.) – ein weiterer Hinweis auf die Evidenz des oberen Satzes. Gleich können wir damit auch das Objektive vergessen.
Also bleibt nur, daran zu glauben, was man für praktisch hält und/oder was ins eigene Welt- und Selbstbild gerade so reinpasst. Und das kann interidividuell recht unterschiedlich sein, weswegen man bekanntlich vortrefflich über richtige/wahre und dementsprechend falsche/unwahre Behauptungen und Weltsichten streiten kann.

Nachdem man ein Glaubenssystem/Weltbild mehr oder weniger dynamisch entwickelt hat, kann man es zu einem selbst gewählten Zeitpunkt abschließen, so dass man sich nicht mehr verunsichern zu lassen braucht.

Ich habe keine Angst vor der Unsicherheit, die notwendigerweise aus einem dynamischen Weltbild folgt. Viele Menschen aber haben genau diese Angst: vor der Ungewissheit über die Wahrheit.

Wie gehst du mit einer solch existenziellen Angst um?

Es ist nicht relevant, ob ein Mensch Esoteriker oder Wissenschaftler, Pfarrer oder Lehrer, Punk oder Skeptiker ist. Unter Berücksichtigung der zuoberst genannten Annahme fallen alle Überzeugungen, also auch diejenigen, die sich auf „wissenschaftliche Erkenntnisse” und bestimmte philosophische „Schulen” gründen, in die Kategorie „Glaubenssysteme”. Wenn das Glaubenssystem/Weltbild von einem dynamischen in einen statischen Zustand wechselt („Ich weiß jetzt genug und halte mein Wissen für absolut”), muss der Mensch anfangen, es zu verteidigen. Beispiele sind Zynismus, Spott, Herablassung, Überheblichkeit, Besserwisserei, alles, was geeignet ist, sich mit anderen Überzeugungen nicht ernsthaft auseinandersetzen zu müssen.

Zum Glück benötigen nicht alle Menschen solche Schutzmaßnahmen. Diejenigen, die offen bleiben für Ungewöhnliches, Neues, Fremdes – diejenigen, die das Unbekannte nicht fürchten, halten ihr Weltbild dynamisch und müssen es nicht verteidigen.

Gibt es dann gar keine Sicherheit?

Wer sich selbst spürt, ist sich seiner eigenen Wahrheit sicher.

Das kannst du entweder unmittelbar nachvollziehen oder eben nicht. Es gibt keine Erklärung.

Übungen zum Selbst-Spüren gibt es allerdings genug. Aber wenn du schon zum statischen Weltbild gelangt bist, wirst du es wahrscheinlich schwer haben, den anderen, den esoterischen Weg zu finden. (esoterikos = das Innere)

In diesem Zusammenhang:
Wahrheit und Täuschung (psyHeute)


1) unendlicher Regress (Philosophie): Jede Begründung muss wiederum begründet werden, ohne dass diese Folge jemals zu einem Ende kommt Wikipedia

Euer Ted Arnhold

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